Oh du fröhliche... oder etwa doch nicht!?
Ist die Weihnachtszeit denn für dich eine fröhliche, selige Weihnachtszeit?

Weihnachtszeit und besinnlich, passt das zusammen?
Gestern war ich auf dem Weihnachtsmarkt.
Die Weihnachtszeit soll ja (so erzählt man sich ;-) ) besinnlich und ruhig sein.
Ich frage mich, ob das zu einer Zeit war, bevor der Geschenke-und-10-Sorten-Plätzchen-backen-Wahnsinn Einzug in die Kleinfamilie gehalten hat.
Denn sind wir mal ehrlich, wie viel Ruhe und Besinnlichkeit hattest du denn so in den letzten Wochen?
Da ist so ne kleine Stimme im Kopf die möchte immer alles perfekt haben. Nur dann ist Weihnachten toll, wenn alles perfekt ist und perfekt geplant ist.
Die Mental-Load-Falle
Das Fatale daran, diese hohen Erwartungen haben nur wir und den Großteil des Weihnachtsfestes planst du als Frau und Mutter.
Wer wird eingeladen?
Wo wird gefeiert?
Was gibt es zu Essen?
Gehen wir in die Kirche und wenn ja wo?
Geschenke besorgen, Geschenke bestellen und vor allem Geschenke ausdenken (Mental Load vom Feinsten)
Lebensmittel für dich Feiertage einkaufen
Einkaufszettel schreiben (wieder Mental Load)
Weihnachtsmenü kochen und ausdenken (na, was ist hier schon wieder, du hast es erraten: Mental Load)
Weihnachtlich dekorieren
Den Baum schmücken
Plätzchen backen, natürlich mit den Kindern, weil das ja so herrlich entspannt ist ;-)
Happy wife, happy life
Weißt du wann Weihnachten wirklich toll ist?
Wenn du entspannt bist, wenn es dir gut geht und du die Weihnachtszeit genießen kannst.
An was kannst du dich denn noch aus deiner Kindheit erinnern?
An die Geschenke? An das 3-Gänge-Menü? An die perfekte Deko?
Also ich kann mich hauptsächlich an das Gefühl erinnern das ich hatte.
Das Weihnachtsfest habe ich als stressig und unentspannt empfunden, wahrscheinlich weil meine Eltern es auch waren. Wir waren im Zimmer und draußen wurde hantiert, gekocht und geschmückt. Und dass gleich der unliebsame Besuch kam, hat wahrscheinlich auch zur angespannten Stimmung beigetragen.
Ich kann mich an Situationen erinnern die nichts mit großen Geschenken zu tun hatten, Plätzchen bemalen, den Weihnachtsbaum bewundern. Baumschmuck basteln, die Stimmung war angenehm – das ist mir als schöne Erinnerung geblieben.
Mütter am Ende mit der Geduld
Gestern abend habe ich folgende Szenen mitbekommen auf dem Weihnachtsmarkt.
Mütter die ihre Kinder anschreien. Ein kleines Kind das weint weil es runter vom Karussell muss, die Mutter sagt pampig und zornig: „Hier wird nicht geschrien und geweint, ist das klar? Ich zähle jetzt bis 3...“.
Ja was genau passiert denn dann bei 3? Warum darf denn ein Kind nicht weinen wenn es runter vom Karussell muss? Das war schließlich so schön und jetzt darf es einfach nicht mehr?
Und anstatt, dass ihm dann seine Gefühle zugestanden werden (die halt nun mal da sind und Kinder können ihre Emotionen noch nicht regulieren - was toll ist, besser als wie die Erwachsenen alles in sich reinzufressen), wird mir gedroht. Entweder ich höre auf oder ich bekomme eine Strafe.
Eine andere Mutter hat ihr weinendes Kind im Kinderwagen laut angeschrien: „Hör jetzt endlich auf zu heulen!!“.
Wenn wir uns das mal aus ein anderen Perspektive betrachten:
Ich komme abends nach Hause, hatte einen stressigen Tag, bin müde und mir ist gerade alles zu viel, der Lärm, die Menschen, die Eindrücke und ich weine einfach laut los und dann wartet da eine gute Freundin oder mein Mann und derjenige schreit mich an ich soll jetzt endlich mit der Heulerei aufhören. Würdest du dich da fühlen? Würdest du dich etwa beruhigen?
Ich würde meiner Freundin dann raten, dass sie sich so nicht behandeln lassen soll von ihrem Mann.
Nur Kinder können nicht ihren Koffer packen und gehen, sie nehmen alles von ihren Eltern ungefiltert zu 100% wahr auf.
Es ist erschreckend wie normal Gewalt durch Kommunikation an Kindern praktiziert wird.
Schlagen ist salopp gesagt asozial, das macht niemand mehr (zumindest in der Öffentlichkeit), es ist inzwischen von der Gesellschaft verpöhnt. Aber mit Worten schlagen, drohen, anschreien das ist noch immer völlig ok.
Du musst schließlich durchgreifen, sonst tanzen dir die Kinder auf der Nase herum - achja, ist das so?
Ist es denn so viel anders als körperliche Gewalt seinem Kind zu vermitteln: deine Gefühle sind nicht ok, nicht erwünscht, du darfst nicht weinen, ich schreie dich dann an und bestrafe dich?
Ich verstehe dich!
Es geht mir nicht darum diese Mütter an den Pranger zu stellen. Es geht mir darum zu zeigen du bist nicht allein!
Ich weiß sehr gut wie sie sich fühlen. Mir fallen solche Situationen nicht ohne Grund auf, denn ich war eine von ihnen.
Du gibst dein Bestes (wir geben immer alle unser Bestes) und quälst dich danach wahrscheinlich mit schlechten Gewissen, wenn sich abends die Emotionen beruhigt haben.
Mütter die mit ihren Nerven am Ende sind, gestresst und genervt.
Die getriggert sind von dem Verhalten ihrer Kinder, weil es Zusammenhänge gibt zwischen deinem inneren Kind (also die Anteile in dir aus deiner Kindheit) und dass dir als Mutter jetzt so richtig die Knöpfe gedrückt werden von deinen Kindern. Da kommen plötzlich Gefühle hoch die dich komplett überrollen, innerhalb von Sekunden ist kein logisches Denken mehr möglich.
Sonst wüsstest du ja eigentlich, dass es dein Kind wahrscheinlich nicht beruhigt, wenn du es anschreist es soll sich beruhigen.
Plötzlich ist sie da, die Wut, die Ohnmacht, der Kontrollverlust und Nein, du bist nicht genervt weil dein Kind auf dem Weihnachtsmarkt laut schreit. Es erinnert dich an deinen Schmerz, der tief in dir darauf wartet angeschaut zu werden.
Dir geht es nicht besser wenn dein Mann sich verändert, die Chefin anders ist und die Kinder ruhigere und älter.
Gebe die Verantwortung nicht an andere ab.
Veränderung und Frieden beginnt in DIR!
Es erfordert viel Mut, die Schuld nicht bei anderen zu suchen!
Du kannst lernen aus der Situation auszusteigen, bevor du dein Kind anschreist.
Du kannst auch lernen, dass du gar nicht erst in diese Situation kommst.
Wenn du mutig bist und das bist du, sonst hättest du das nicht zu Ende gelesen, dann melde dich bei mir.
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